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Beschneidungsurteil stärkt Kinderrechte

Diana Golze (Die Linke) im Gespräch
Artikel von Philipp Guttmann
06.08.2012 - Auch nach dem Entschließungsantrag über die Beschneidung minderjähriger Jungen geht die gesellschaftliche Kontroverse über das Thema weiter. War das Kölner Urteil ein Angriff auf die Religionsfreiheit? Diana Golze (Die Linke) sieht in dem Urteil vielmehr ein Bewusstseinswandeln in der Rechtssprechung und eine Stärkung der Kinderrechte.
Auch wenn der Entschließungsantrag von SPD, CDU/CSU und FDP, ein Gesetz bis Herbst zu entwickeln, dass die Beschneidung minderjähriger Jungen aus religiösen Motiven straffrei stellen soll, vom Bundestag angenommen wurde, so ist die Debatte nicht verschwunden.

Einige Abgeordnete aus dem Bundestag hegen Zweifel daran, ob man der alten, religiösen Tradition den Vorlauf gegenüber den in der modernen Gesellschaft voranschreitenden Kinderrechten gewähren sollte.

Zu diesen gehört auch Diana Golze, Abgeordnete ihrer Partei Die Linke im Bundestag und deren kinder- und jugendpolitische Sprecherin. Sie ist zudem in der Kinderkommission tätig, bei welcher sie derzeit den Vorsitz inne hat. Wir sprachen mit ihr, um herauszufinden, wie sie sich als Poltikerin im Einsatz für Kinderrechte zu dem Beschneidungsurteil verhält.

Bewusstseinswandeln in der Rechtssprechung


Diana Golze betrachtet das Kölner Gerichtsurteil nicht als einen Angriff auf die Religionsfreiheit. Sie sieht in diesem vielmehr ein Zeichen dafür, dass sich „in den vergangenen Jahren einiges in der Diskussion um Kinderrechte entwickelt hat.“ Dabei kritisiert sie, dass die Kinderrechte zwar noch nicht im Grundgesetz verankert wären, jedoch nun ein „allmählicher Bewusstseinswandeln“ in der Rechtssprechung stattfinde, den sie begrüße.

Debatte enorm wichtig


Die kinder- und jugendpolitische Sprecherin glaubt zudem nicht, dass es bei der Diskussion um die Abwägung des Rechts des Kindes auf Unversehrtheit und dem Recht der Eltern auf Religionsfreiheit gehe, da auch für das Kind dasselbe Recht auf Religionsfreiheit bestünde. „Es soll sich also auch selbst für eine Religion entscheiden dürfen, ohne, dass vorher bereits „Tatsachen“ geschaffen wurden“, so Diana Golze.

Für sie sei diese Debatte „enorm wichtig“ und der Entschließungsantrag „viel zu überstürzt“. Um lange existierende Traditionen zu verändern, brauche es Zeit, meint Diana Golze. Zudem stellt sie fest: „Es nützt nichts, hier etwas übers Knie zu brechen, nur damit nicht der falsche Eindruck entsteht, die Deutschen würden Juden und Muslimen nicht ihre Religion ausüben lassen.“

Verschiebung ins Schmerzlos-Symbolische


Mit Verweis auf die Rede von Jens Petermann im Bundestag führt sie auch an, dass es in anderen Ländern „Bewegung in den Religionsgemeinschaften“ gebe, was sie sich auch für Deutschland wünsche. Dabei plädiert sie dafür, die Entscheidung über die Beschneidung dem Jugendlichen zu überlassen, wenn er mit 14 Jahren darüber eigenständig entscheiden kann. Hierfür müsste das frühkindliche Ritual der Beschneidung ins Schmerzlos-Symbolische verschoben werden, um dem Kind die spätere Chance zur freien Entscheidung zu gewährleisten.

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